ANDRÉ SARRASANI
WENN SCHWULE MEHR AM ZIRKUSDIREKTOR ALS AN SEINER SHOW INTERESSIERT SIND, REDEN WIR VON ANDRÉ SARRASANI, DESSEN ZIRKUS BEREITS AUF EINE ÜBER HUNDERTJÄHRIGE DRESDNER TRADITION ZURÜCKBLICKT. •MB
IM JAHR 2000 HAST DU DAS FAMILIENUNTERNEHMEN SARRASANI ÜBERNOMMEN UND IHM EIN VÖLLIG NEUES IMAGE GEGEBEN. WAS HAT DAS MIT URSPRÜNGLICHEM ZIRKUS NOCH ZU TUN? weiterlesen...
Als ich die Leitung von Sarrasani übernahm, habe ich mir die Frage gestellt: Kann man das Publikum heutzutage überhaupt noch in den Zirkus locken? Mir wurde sehr schnell klar, dass wir neue Wege gehen mussten, um weiterhin am Markt zu bestehen. Unsere Gesellschaft ist sensationsverwöhnt: höher, schneller, weiter muss es sein. Hier ein Weltrekord, da noch ein „Special Effect“. Dagegen kann der klassische Zirkus mit „Pferdchen rechtsrum, Pferdchen linksrum“ nur verlieren. Deshalb habe ich Sarrasani weiterentwickelt, modernisiert und das klassische Nummernprogramm durch eine Showdramaturgie ersetzt. Heute sind wir mehr Varieté als Zirkus, dennoch kommt bei uns auch der Zirkusliebhaber auf seine Kosten. Gerade bei unserer neuen Show „Mutabo“, die vom 16. November 2010 bis 13. Februar 2011 am Straßburger Platz in Dresden gastiert, orientieren wir uns an historischen Glanzzeiten des Zirkus, am Jahrmarkttreiben des frühen 20. Jahrhunderts – und bringen nostalgische Erinnerungen mit den Erlebnisansprüchen der Jetztzeit zusammen.
PLANST DU, DEIN ZIRKUSZELT WIEDER DURCH EIN GEBÄUDE ZU ERSETZEN, WIE DAS 1945 ZERSTÖRTE „CIRCUS-THEATER DER 5000“ DEINES GROSSVATERS AM CAROLAPLATZ?
Das „Circus-Theater der 5000“ war seinerzeit eine Riesensensation. Der Kuppelbau galt als größtes, schönstes und modernstes Zirkustheater Europas. Meinen Großvater muss dieser Bau wahnsinnig stolz gemacht haben. Ein fester Bau ist natürlich etwas ganz anderes als ein Zelt, sei es noch so groß. Mein Traum ist es, eines Tages in Dresden wieder solch ein Gebäude errichten zu können. Es wäre toll, 365 Tage im Jahr in der Sarrasani-Heimatstadt präsent zu sein. Und natürlich eröffnet ein fester Bau ganz andere Möglichkeiten der Showgestaltung als ein Zelt – ich hätte da auch schon einige verrückte Ideen ...
DU SASST 2007 MIT DIETER BOHLEN IN DER JURY VON „DAS SUPERTALENT“, ZERSÄGST JUNGFRAUEN UND WOHNST ZUSAMMEN MIT ZWEI BENGALISCHEN TIGERN – SCHRECKST DU VOR GAR NICHTS ZURÜCK?
Dieter Bohlen, zersägte Jungfrauen und die WG mit Tigern haben für mich gar nichts Schreckliches, im Gegenteil. Ich bin in der Zirkuswelt aufgewachsen, und vieles, was anderen Menschen ungewöhnlich oder gar spektakulär erscheint, gehörte bei mir zum Alltag. Und von Dieter Bohlen habe ich sehr viel gelernt, was das Auftreten im Fernsehen betrifft, denn das ist doch ein großer Unterschied zu einem Auftritt auf der Bühne.






