Adolar: Schwules und Lesbisches HSE24

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Adolar kommentiert das Straßenfest Berlin

(19. Juni 2007) Das sehr traditionsreiche Motzstraßenfest in Schöneberg zieht inzwischen alljährlich knapp 400.000 Lesben, Schwule und Leute, die mit solchen kein Problem haben, an zwei Tagen an. Es fließt schon am frühen Mittag reichlich Bier (Bex und Berliner Pilsner). Für die ganz fleißigen darf es schon eine Caipirinha sein. Dabei wird wie in einer Cruising Area aneinander vorbeispaziert und marschiert. Es wird begutachtet und die neueste Mode von Dolce&Gabana, Joop und H&M ausgeführt.

Viele meiner schwulen Freunde kommen extra aus ihrem Provinznest um "liebgewonnene" Bekannte und anderweitige, abgelegte Verhältnisse wiederzutreffen, einen Plausch zu halten und miteinander anzustoßen. Alle sind froh, dass es dieses Fest nur einmal im Jahr gibt.

Schwule und inzwischen auch Lesben gelten gemeinhin als äußerst konsumfreudig. Die globalisierte Weltindustrie lässt sich so eine mediale Plattform zielgruppenorientierter Verkaufsdynamik nicht entgehen. Alle fünf Meter wurde dem geneigten Publikum ein Flyer, ein Merchandising-Produkt oder ein lustiger Aufkleber übergeholfen. Viele der Besucher entwickelten sich so zur lebenden Litfasssäule. Eine gewisse Ähnlichkeit mit gewissen Einkaufskanälen im TV war nicht zu übersehen. Immerhin weilte auch Starvisagist Rene Koch unter den Gästen. Fehlte nur noch Udo Walz mit seinem Haarspray und der pompööse Harald Glööckler mit dem vielen Puder (wenn sie verstehen was ich meine... schnief).

Auch unsere Parteien haben uns Lesben und Schwule endgültig ins Herz geschlossen. Ähnlich der globalisierten Weltindustrie lieferten sich die Parteien eine Materialschlacht sondersgleichen. Da gab es Aufkleber, Flaschenöffner, Pappfächer und natürlich Informationsmaterial. Besonders erfolgreich war hier die LSU ( Lesben und Schwule in der Union). Ob man wollte oder nicht, der orangefarbende Aufkleber prangte äußerst zahlreich an so mancher schwuler und lesbischer Brust. "Ich bin wie ich bin" war das Motto. Im Prinzip nicht zu unterscheiden von den Aufklebern einer bekannten niederländischen Fluglinie ("Geil", "Passiv", "Aktiv" oder "Arm, aber sexy"). Der Rest der Werbeschlacht landete meistens drei Meter weiter auf dem geschundenem Pflaster.

Auch viele Vereine, die sich um Gleichstellung, Anti-Diskriminierung und Selbsthilfe kümmern, versuchten mit der Schlacht mitzuhalten. Der Stand von www.gaybrandenburg.de (Katte e.V.) war am frühen Sonntag Nachmittag leergeräumt. Ähnlich erging es auch dem traditionsreichen Verein AndersARTiG e.V. Aber immerhin waren viele Organisationen der Berliner Comunity anwesend. Jirka Witschak meint hierzu: "Für mich und unserem Verein waren diese zwei Tage die größte, beste und wichtigste Vernetzungskonferenz. Wir haben hier entscheidende Impulse für unser Projekt "Love Sex Safe" aquirieren können." Auch Michael Schoelzel von der Lausitzer AIDS-Hilfe war mit den hergestellten Kontakten hoch zufrieden. Für ihn gab es viele Anregungen die er mit nach Cottbus nehmen konnte.

Alles in allem waren alle zufrieden: der vietnamesische Imbissstand, die Provinztucke, gewisse Fluglinien und Bewegungsschwestern. Alle konnten Erfolg abrechnen. Also bis zum nächsten Jahr auf dem größten Schwulen und Lesbischen HSE24.

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