Der Anfang
Was ist ein Blog? Dieser Frage bin ich in den letzten Wochen nachgegangen. Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, was das denn nun sei, so ein Blog, habe ich mir einige Nächte um die Ohren geschlagen. Das war insofern keine unsinnige Beschäftigung, da ich sowieso kaum schlafe.Was ist das nun ein Blog? Offensichtlich haben viele Mensche Redebedarf. Jeder schreibt seine Gedanken auf, gibt Kommentare ab oder haut mal so richtig drauf. Dabei gibt es Blogs bei denen andere abschreiben. Journalisten zitieren ja inzwischen gerne aus solchen Medien. Andere scheinen dass eher für sich zu schreiben.Ich ahne es: der liebe Herrgott hat das Internet deshalb geschaffen, damit jeder und jede über alles informiert ist. Ob David Haselloff uns mitteilt, dass er nun aufs Klo kotzen geht oder vermeintlich wichtige Politiker uns Petitessen aus der Bundestagskantine mitteilen: Alle tun es. Auch Merkel.
Mein letzter Tag
Da sitze ich nun und bin wie alle anderen. Irgendwann gaben Sie alle auf. Ich kenne so viele. Olaf Kr., Andre K., Ron Sch., Michael R., Uwe F., Ricarda N., Matthias St., Clen L., Dorian H., Olaf Ko., Irene K., Ursula W., Manuel Sch., Thomas G. Thomas H., Thomas G., Dr. Steffen Sch., Markus St. Nun auch ich. Die Liste derjenigen, die zwischen die Menschenmühle schwul – lesbischer Vereinsarbeit geraten sind und aufgaben, ist überlang. Ich habe in meinen 18 Jahren Schwulenarbeit, und ja an einigen Stellen auch Lesbenarbeit, so viele gesehen, die engagiert waren. Alle haben den Rückzug angetreten. Das ist in der Homosexuellenarbeit und eben auch in der HIV/Aids- Arbeit der normale Gang der Dinge. Ich kenne das nicht anders.
Ich weiß noch wie mich im Jahr 2003 einige Damen und Herren mit großen Augen angeschaut haben, als nicht nur ich forderte, in der Aids – Prävention schwule Jungs und Männer zu berücksichtigen. “Wie Schwule haben Sex?“ Schon in den 90ern waren dem Potsdamer Aids bekämpfenden Verein die Zielgruppe der schwulen Menschen, oder jetzt neudeutsch MSM – Männer die Sex mit Männern haben, eher suspekt. Da nutzte auch ein, inzwischen ergrauter, schwuler Vorsitzender nichts. Damals in den Neunzigern war ich ja noch grün hinter den Ohren. HIV/ Aids geht uns alle an! Ach ja. Gähn!
2003 war ich und viele andere bereit Dinge in die Hand zu nehmen. Ein Verein musste her. Haben wir gemacht. Zielgruppenspezifische Arbeit in der Hauptbetroffenen Gruppe von HIV/ Aids ist organisiert worden. Brav haben wir uns der Initiative Brandenburg gemeinsam gegen Aids angeschlossen. Wir waren fleißig. Es gibt inzwischen eine Online – Beratung bei Gayromeo. Der HIV - Schnelltest für MSM ist anerkannt. Es gibt ein neues schickes Internetportal www.LOVE-SEX-SAFE.de . Eine Wanderausstellung reist durch das Land. Ach ja und es gibt wieder eine Aidshilfe in der Lausitz, genauer in Cottbus. Alles total super.
Jetzt sitze ich hier, in der Initiative Brandenburg gemeinsam gegen Aids, zur Besprechung des Gesundheitszieleprozess des Landes Brandenburg 2010. Zwei Neue sind gekommen. Den wünsche ich viel Spaß. Ich nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr. Die Damen, die das Ganze hier leiten, haben, glaube ich die ganze Zeit Sorge, dass ich total ausraste. Immerhin bin ich Choleriker. Aber ich bleibe ruhig. Ich erkläre allen mehrmals, dass ich mich weiterhin irgendwie engagieren werde, aber solange die Vereine Katte e.V. und Positiv Wohnen e.V. nicht in die Deutsche Aidshilfe aufgenommen werden, wird man wohl auf meine Mitarbeit verzichten müssen.
Zwischendurch kommt mir der Gedanke dass ich größenwahnsinnig sein könnte. Wer will schon, dass ich mich im Land Brandenburg ehrenamtlich engagiere? Das Land? Logisch wäre es. Immerhin läuft die gesamte Arbeit zur HIV/Aids – Arbeit in der Zielgruppe ohne irgendeine strukturelle Förderung. Neue Ausbeutung. Ach übrigens ich bin für das Bürgergeld.
Aber so könnte man meinen, wenn HIV/Aids uns alle angeht, muss es auch doch eine ganze Menge Leute geben, die sich da engagieren? Hierzu mein Lieblingsvergleich: die Nazis in Brandenburg. Die haben in ganz Brandenburg 1000 Leute, die in Strukturen organisiert sind. Ich habe mal irgendwann die Leute durchgezählt, die sich in Brandenburg im HIV/Aids – Bereich tatsächlich engagieren. Ich bin auf nicht mal auf 50 Leute gekommen.
Es gibt noch viele Geschichten zu erzählen.... Demnächst mehr...
Die Tabulose Rundschau ist ein Meinungsforum auf www.gaybrandenburg.deDatum: 10. April 2010
Grafik: Gaybrandenburg - Redaktion
Autor: anonym













