
Vom Mühsal des Ehrenamts... und unüberbrückbare Gräben zwischen hoch motivierten, kreativen Gratis - Arbeitern und dem vom Virus abhängigen institutionellen Meinungshoheiten...
Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre bestimmte die Aidskrise den Lebensalltag der schwulen Community in Ost und West in einer Weise, wie es sich jüngere heute kaum vorstellen können: Kneipen und Saunen wurden geschlossen, Freunde erkrankten und verstarben. In der Politik wurde über einen seuchenpolitischen Maßnahmenkatalog nachgedacht, der die nach der Abschaffung des § 175 mühsam errungenen Freiheiten der Community wieder empfindlich eingeschränkt hätte. Schwule standen mit dem Rücken zur Wand.
Schnell regte sich aber auch Widerstand: Die Act-up-Bewegung aus den USA, schwappte nach Deutschland. So machten Künstler, Schwulenbewegte und Betroffene mit spektakulären Aktionen Aids zu einem öffentlichen Thema. Erinnert sei an dieser Stelle an den Potsdamer Uwe Fröhlich. Mit der Ausstellung Aidswelten – Lebenswelten im Potsdamer Alten Rathaus setzte er 1994 den Potsdamern AIDS vor die Nase. Nur Uwe Fröhlich – der im besten Sinne „Wahnsinnige“ – konnte damals auf die Idee kommen, dem Obelisken vor besagtem Rathaus und der daneben St. Nicolai – Kirche ein Riesenkondom als Werbemaßnahme für die Ausstellung überzuhelfen. Potsdam schrie Zeter und Mordio.
"Damals war das Thema Aids noch ein Tabu. Wir hatten es schwer, Gehör zu finden", erinnert sich Alard von Rohr. "Einige hatten Sorge, sie könnten sich durch bloßes Handgeben anstecken. Und es herrschte das Vorurteil, die Kranken seien selbst schuld." Aids stand in der Schmuddelecke. Alarnd Rohr ist derjenige der die Berliner Aids – Gala 1993 ins Leben rief.
Sieben Jahre später, im Jahr 2000, hatte auch Potsdam seine Aidsgala. Auch hier waren es Einzelne, die dem Vergessen und Verdrängen des Themas ihre Kreativität entgegensetzten. Da waren ein Kinochef, einige Medienmenschen und Ehrenamtler aus mehreren Vereinen. Über Jahre hinweg entwickelte sich dieses Projekt zum heiß geliebten „Baby“ dieser „Wahnsinnigen“. Viele Stunden, Tage und Nächte Vorbereitung. Nervenkitzel inklusive. Der Oberbürgermeister erinnert in jedem Jahr in seinem Grußwort an die erste Veranstaltung. Nur wenige fanden damals den Weg in ein großes Potsdamer Kino.
Im vergangenen Dezember jubilierte die Aidsgala Potsdam zum 10. Mal. Dabei erinnerte der OB wieder an den Anfang. Nur fehlten die Gründungsväter- und Mütter fast vollständig. Wer nach den Gründen für das Fehlen der Engagierten sucht, kann schnell fündig werden.
Symptomatisch für die HIV/ Aids – Arbeit in Brandenburg scheint, dass sich im Laufe der Zeit unüberbrückbare Gräben zwischen hoch motivierten, kreativen Gratis - Arbeitern und dem vom Virus abhängigen institutionellen Meinungshoheiten entwickeln. Die „Diktatur der Sozialarbeiterinnen“ (so nennen das einige) und die diversen Vorstände des Aids bekämpfenden Potsdamer Vereins sprechen nicht die Sprache der Ehrenamtlichen, die im besten Falle Reißaus vor der überbordendenen Gewalt enervierender Diskussionen um Kleinigkeiten flüchten. Und wer nicht flüchtet wird von den feinen Herrschaften gemobbt wo es nur geht.
So geschehen eben auch mit dem Aidsgala – Team nach der Veranstaltung 2006. Der Vorstand schien oder wollte nicht in der Lage sein, die zwischen der zuständigen Sozialarbeiterin, dem Theater und dem Team entstandenen Meinungsverschiedenheiten nach der sechsten Gala im Hans – Otto – Theater auszumoderieren. Vordergründig ging es um Befindlichkeiten, Technikanforderungen und Programmabläufe. Verzweifelte, wütende und dramatische Briefe einiger Teammitglieder sind bekannt. Der damalige Vorstand wählte den vermeintlich einfachsten Weg, nämlich versierte, fachlich kompetente Leute den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die Folge war, dass heute die Aidsgala von einer „Profi“ – Agentur gemanagt wird. Offensichtlich, das Ziel des Vorstandes.
Damit aber nicht genug. Die abstrusen Auseinandersetzungen erreichten dann auch bis dahin unbeteiligte Vereine. Üblich war bis 2006 die Teilnahme von Vereinen an der Gala, die sich mit dem Thema HIV/ Aids auseinandersetzen. Inklusive der Unterstützung der Gala mit Technik und Personal. Da man das Aidsgala - Team Ende 2006 billig und ungestraft entsorgen konnte, ging es mit den Vereinen gleich weiter. Seit 2007 dürfen Vereine wie Katte e.V. oder Positiv Wohnen e.V. keinen Stand mehr auf diesem Event machen. Begründet wird dies mit mangelndem Platzangebot, verursacht durch das große Buffet.
Das Bittere an dieser Sache ist, dass alle Vereine die im Bereich HIV/ Aids tätig sind, auf vernetztes Handeln angewiesen sind. So wären Projekte wie die Lümmeltüten – Aktion oder die Umfrage zum Wissenstand zu HIV und dem Sexualverhalten von Jugendlichen ohne eine Zusammenarbeit mit den oben genannten Vereinen kaum durchführbar gewesen. Übrigens gab es zu dieser erfolgreichen Zusammenarbeit der Potsdamer Aidshilfe kein Wort des Dankes. Wer das Bühnenprogramm der Aidsgala verfolgt wird unweigerlich den Eindruck bekommen: „Wir die AHP kämpfen allein gegen Aids!“
Nach der 10. Gala erklärte mir ein etwas weinseliger Vorstand dass das doch alles diesmal total Premium gewesen wäre. Ich weiß nicht was er damit meint. Das es keine Ehrenamtler mehr in seinem Verein gibt? Das der Vorstand seines Vereines maßgeblich HIV/Aids – Arbeit im Land Brandenburg verhindert? (dazu später mehr). Das der Verein Netzwerke zerschlägt, die ihn weiterbringen würden?
Dabei gilt auch für die AHP das Wort der Wertschätzung des Ehrenamtes. Ich darf mal aus dem Leitbild zitieren: „Zu etwas Einzigartigem im Land Brandenburg macht uns: … die gemeinschaftliche Arbeit von hauptamtlich und ehrenamtlich Beschäftigten, Betroffenen und Nicht-Betroffenen.“ Man kann darüber lachen. Sollte man aber nicht. Denn merke: Alleinvertretungsanspruch beim Thema HIV und Zerschlagung ehrenamtlichen Engagements ist ganz und gar nicht Premium.















