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1.000 Tüten gegen den Hass

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Am letzten Augustwochenende trafen sich, wie alle zwei Jahre, Tausende Brandenburgerinnen und Brandenburger zu ihrem Brandenburg-Tag im nördlichen Wittenberge. Zum dritten Mal beim Brandenburg - Treff dabei, die kommunale Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Brandenburg e. V. - kurz Katte. Hier beantwortet Jirka Witschak, Vorstand des Vereins, einige Fragen.

Der Brandenburg - Tag 2018 stand unter dem Motto "Leinen los!". War etwas los in Wittenberge?
Definitiv. Wir sind ja schon sehr langjährig erfahren, was Infostände zu Safer Sex und sexuelle Identität im kleinstädtischen Gefilden Brandenburgs betrifft. Der Brandenburg-Tag ist ein wirkliches Highlight, das sich in jedem Fall für uns als Homo_Organisation lohnt. Es kommen wirklich viele Leute, die sehr an unseren Informationsmaterialien interessiert sind und denen wir auch etwas mitteilen können.

Die diesjährige gayBrandenburg-Tour steht unter dem Motto HASS BRINGT DIR NIX! Was hat denn die Leute besonders interessiert?
Das Projekt HASS BRINGT DIR NIX! ist gelinde gesagt ein echter Hingucker und sehr attraktiv. Plakate, Flyer, Sticker und Memoryspiel zum Projekt waren ja in einer entsprechenden attraktiven Papiertüte mitnahmebereit verpackt. Wir sind an diesem Wochenende etwa 1.000 Tüten losgeworden. Zum Vergleich in Nauen zum Toleranzfest waren es 200, was allerdings auch schon sehr gut ist.

... also eine Materialschlacht?
Bei einer solchen oder ähnlichen Veranstaltungen braucht man schon eine entsprechende Logistik, vor allem aber eine Idee, wie man auf die Menschen vor Ort zugehen möchte. Es macht ja keinen Sinn, sich mit einer Regenbogenflagge hinzustellen, so nach dem Motto: "So wir sind aus der Landeshauptstadt oder gar aus Berlin und sind jetzt hier, nun seid mal alle tolerant!". Die Idee ist, dass die vielen Gäste, sehr oft schon etwas älter, etwas mit nach Hause nehmen und es den Enkeln schenken und mit Ihnen darüber in ein Gespräch kommen. Dazu haben wir quietschebunte Prints entwickelt, die für sich sprechen. Die HASS BRINGT DIR NIX! thematisiert ja unsere Landesverfassung und insbesondere den Artikeln 12 zum Thema Gleichheit, also dem Nicht-Diskriminierungsgebot gegenüber Menschen, wegen ihrer Herkunft, Ethnie, gesundheitlicher Beeinträchtigung, Weltanschauung, sexueller Identität oder Religion - also Themen, die alle angehen.

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Wird man als Organisation für LSBTIQ* im ländlichen Raum bei solchen Gelegenheiten homophob beleidigt oder angegriffen?
Wir hatten ja Besuch auch von einem Mitarbeiter der AfD - Landtagsfraktion, dass habe ich aber erst später nach dem Kontakt mitbekommen, das der mich offensichtlich aushorchen wollte. Der interessierte sich auffällig für das Thema schwuler Sex und HIV und Risiken. Warum auch immer. Ich habe ihn ausführlichst zum Thema Analverkehr beraten. Insbesondere auch zum Thema Bisexualität. Es schien mir wichtig, aus Gründen. Wir sind allerdings auch schon von AfD-Leuten bei anderer Gelegenheit bedroht worden. Der Veranstalter hatte in diesem Fall sofort reagiert und die drei Herren des Platzes verwiesen.

Was interessiert denn die Brandenburgische Allgemeinheit bei euren Aufklärungsangeboten am meisten?
Im Ranking stehen neben HASS BRINGT DIR NIX! natürlich unsere Safer Sex-Angebote, inklusive Kondome an oberster Stelle. Nicht zu unterschätzen sind unsere Aufklärungsangebote für Schulen. Wir haben beim Brandenburg-Tag, sehr viele Lehrkräfte sprechen können und hoffen, dass sich diese Kontakte konkretisieren. Das Tolle ist, dass wir im Laufe der Jahre ganz hervorragende Printmaterialien zu verschiedenen Themen entwickeln konnten, dank der auch wieder eingesetzten Förderungen durch das brandenburgischen Sozial- und Gesundheitsministerium, dem Justizministerium und dem Finanzministerium.

Das Lieblingsthema schlechthin: Förderung von Katte-Projekten...
Ich denke, dass alle beteiligten Akteure gemerkt haben, wie wichtig der Verein für LSBTIQ* in Brandenburg ist. Die Ministerien wissen, dass wir ziemlich ausgeklügelte Projekte zu gesundheitlicher Prävention, zur Aufklärung und Information gestalten und umsetzen und dass wir vor allem die Zielgruppen tatsächlich auch erreichen können. Es ist inzwischen keine Frage mehr, ob Katte e.V. gefördert wird, sondern nur noch wie gefördert wird. Wir arbeiten an zukunftssicheren und nicht-prekären Lösungen. Das wird noch einmal hart, aber wir sind ja auch hartnäckig.