Fort mit aller Heuchelei oder Unwissenheit!

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REDE JIRKA WITSCHAK (Katte e. V.) zur Situation schwuler Geflüchteter in Brandenburg am 17.05.2018 anlässlich der Regenbogenflaggenhissung vor dem Landtag Brandenburg

"Ich protestiere dagegen, das der Homosexuale als Psychopath, als entartetes, demoralisiertes, minderwertiges Subjekt gebrandmarkt wird. Fort mit allen durch Heuchelei oder Unwissenheit oder Arroganz gesetzten Suggestionen. - man messe den Homosexualen sozial mit demselben Maß, wie den Heterosexualen. (...) Man gebe den Homosexualen, was ihm gehört, den vollen Menschheitsrang!"

Heute begehen wir den 75. Todestag von Johanna Elberskirchen, 1864 in Bonn geboren und am 17. Mai, der heute als der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie begangen wird, in Rüdersdorf gestorben. Ich habe mir erlaubt, diese langjährige Wahlbrandenburgerin aus einen ihrer zahlreichen Bücher zu zitieren. Johanna Elberskirchen galt in ihrer Zeit als laut und burschikos. Heute würde man wohl auch noch cross-over sagen, denn Sie engagierte sich in den verschiedensten Bewegungen. Sie war Mitglied im wissenschaftlich Humanitären Komitee, das Magnus Hirschfeld gründete.

Unter lauter schwulen Männern dürfte das nicht einfach gewesen sein. Sie war Sozialdemokratin, wurde in Bonn ausgeschlossen und trat in Rüdersdorf wieder ein. Sie setzte sich kompromisslos für das Frauenwahlrecht ein und lehnte eine Klassifizierung nach Ständen, wie damalige Kompromissformeln diskutiert wurden, ab. Arbeiterinnen sollten genauso wählen dürfen, wie bürgerliche oder adelige Frauen. Sie prangerte "Mannbestien", also Vergewaltiger, in vielen Schriften an. Johanna Elberskirchen eckte, als offen homosexuell lebende Frau, eigentlich überall an. All ihre Themen sind immer noch aktuell. Die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, Mee Too oder das gleichberechtigte und gleichwertige Leben homo_sexueller Bürgerinnen und Bürger.

Noch ein anderes Jubiläum bewegt uns In diesem Jahr. Die LSBTIQ-Bewegung und ihre vielen ehrenamtlich Engagierten in Potsdam haben den 25. CSD in der Landeshauptstadt sehr erfolgreich organisiert. Ich finde das ist eine wirklich großartige Leistung, auf die alle Akteure der Vergangenheit und der Gegenwart sehr stolz sein können.

Viele dieser Akteure nervten immer wieder, waren laut und machten Krawall. Und da meine ich nicht nur mich. Uwe Fröhlich, beispielsweise, schaffte es doch, heute unvorstellbar, in den 1990er Jahre über den Obelisken, der vor diesem Landtag steht, anlässlich der Ausstellung Aidswelten - Lebenswelten ein riesiges Kondom überzuziehen. Das hat damals nicht jedem gefallen. Aber es war notwendig, wandte es sich diese Aktion öffentich, weit sichtbar gegen die Stigmatisierung und Ausgrenzung von HIV-Positiven und klärte gleichzeitig mit der Ausstellung auf. Es ist u. a. Akteuren wie ihm zu verdanken, dass auch heute das Thema HIV ein fester und nach wie vor aktueller Bestandteil des CSD Potsdam ist.

Neu, in der Reihe der hartnäckigen, aneckenden Homo_Aktivisten ist Marcel - Sven Klose. Nachdem der Cottbusser Oberbürgermeister im vergangenen Jahr, plötzlich und unerwartet die Regenbogenflagge nicht mehr auf dem Cottbusser Rathaus sehen wollte, hat er seit einem Jahr unermüdlich, zwischen dem CSD Cottbus - Verein und der Cottbusser Politik vermittelt - und dabei nicht lockergelassen, sodass nun ein fraktionsübergreifender Antrag, der in Kürze in der Cottbusser Stadtverordnetenversammlung behandelt werden wird, zur Abstimmung steht.

Wir begrüßen, dass sich der Aktionsplan "Queeres Brandenburg" diesem Thema ausführlich widmet und die Flaggenverordnung des Landes Brandenburg dahingehend ändern will, dass es zukünftig barrierefrei an die Hissung von Regenbogenflaggen in ganz Brandenburg gehen kann. Ein Dank jetzt schon an dieser Stelle an die Städte und Gemeinden, wie Potsdam, Strausberg, Müncheberg, Rüdersdorf, Königs Wusterhausen und Seelow für die Regenbogenfarben vor ihren Rathäusern.

Wenn zukünftig die Regenbogenflaggenhissung überall in Brandenburg am 17.05. weht, dann können wir uns als LSBTIQ*-Community auf die wirklich wichtigen Dinge fokussieren. Mehr und mobilere Beratung und Aufklärung für Jugendliche, die in ihren Heimatorten, wegen ihres Anderssein gemobbt werden oder den Queensday, das größte Homo-Event in Brandenburg mal auf Tour nach Eberswalde oder Brandenburg/Havel schicken. Vielleicht hat ja dann auch die Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule und Trans* Belange Zeit, eine der Ausstellungen von Katte e. V. die jedes Jahr anlässlich des CSD Potsdam hier im Landtag gezeigt werden auch an einen der Orte der LesBiSchwulen T*our zu vermitteln.

Falls Ihnen, sehr verehrte Abgeordnete, einer der BürgermeisterInnen in ihrem Wahlkreis weismachen möchte, dass es in seinem oder ihrem Ort keine Schwulen, Lesben und transgeschlechtlichen Menschen gäbe und man deswegen keine Regenbogenflagge vor dem Rathaus braucht, dann würden wir uns freuen, wenn sie mit ihm oder ihr eine Tasse Tee oder eine Flasche Bier trinken und ihm oder ihr erklären, dass es der Stadt oder Gemeinde gut zu Gesicht stehen würde mit dem Landtag gleichzuziehen. Immerhin geht es ja auch um die Landesverfassung und seinen Artikel 12 - Gleichheit. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und niemand darf diskriminiert werden. Das gilt auch in Bezug auf die sexuelle Identität. Das Hissen der Regenbogenfahne ist eben ein klares Bekenntnis zur Landesverfassung. Falls ihnen hier die bunten Tüten aufgefallen sein sollten, nehmen sie sie ruhig mit. Neben der Plakatkampagne HASS BRINGT DIR NIX! und einem Memoryspiel finden sie darin auch Bildungsgutscheine für Aufklärungsseminare zu nicht-heterosexuellen Lebensweisen. Wir fänden es echt cool, wenn sie diese mit in ihre Wahlkreise nehmen und diese Jugend- und Bildungseinrichtungen übergeben würden.

Dank ihrer Beschlüsse haben wir jetzt den Landesaktionsplan "Queers Brandenburg". Wir wollen mit der uns eigenen Harnäckigkeit daran arbeiten, dass dieser auch in der Realität umgesetzt wird. Dazu gibt es erstaunlich viele und gute Projekte. Also, wann immer ein Haushaltsplan zur Abstimmung steht, schauen sie, dass da im entsprechenden Titel auch wirklich eine Summe steht, die einem im besetn Sinne sprachlos macht.

Probleme über kürzere Dienstwege ansprechen und Lösungen finden ist ein Wesen der Selbsthilfe, deswegen möchten wir darauf hinweisen, dass mit dem Landesaktionsplan "Queeres Brandenburg" das federführende Sozialministerium, sich auch personell darauf neu eingestellt hat. Der Erhalt des jetzt besser möglich gewordenen Dialoges ist uns sehr wichtig.

Wir sind ja als größter Vertrater der LSBTIQ* - Community hier, um konkrete Fordeungen an Sie zu stellen. Eine Forderung habe ich noch für sie am heutigen Tag: Für den Landesaktionsplan "Queeres Brandenburg" hat die Landesregierung sich vorgenommen einen Bericht zur Umsetzung desselbigen Ihnen zur Kenntnis zu geben. Wir erwarten, dass dieser Bericht auch in den Ausschüssen, wie Inneres, Soziales oder Kultur diskutiert wird und wir als Vertreterinnen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Tran*Personen dazu angehört werden. Denn miteinader reden ist immer besser als zu schweigen.

In diesem Sinne danke ich Ihnen, dass sie mir zugehört haben.


Foto: Zigeunerkoch
Text: Redemanuskript, es gilt das gesprochene Wort

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